Tag der Standards

Bericht von T. Nietner, Redaktion anpfiff.info

Wenn aus dem Spiel heraus nichts geht, dann helfen oftmals Standards. Jene Fußballweisheit bewahrheitete sich im hitzigen Derby zwischen Schnabelwaid und der ersatzgeschwächten Trockauer Elf gleich mehrfach. Fünf der sechs Treffern fielen beim 4:2-Erfolg der Gastgeber nach ruhenden Bällen. Kampfstarke Trockauer erwiesen sich als harte Nuss für den Tabellenzweiten.

Im Falle einer eigenen Niederlage und einem gleichzeitigen Sieg der Bayreuther Eintracht im Topspiel in Altenplos hätte der FSV Schnabelwaid die Meisterschaft wohl bereits abhaken können. Dann hätten beide Mannschaften bereits zehn Punkte voneinander getrennt. „Wir wussten, was für uns auf dem Spiel stand. Wir waren daher auch etwas unter Druck“, unterstrich FSV-Coach Perparim Gashi die Bedeutung der Partie für seine Elf. Gerade zur Kerwa zählten für die Hausherren daher nur drei Punkte. Die würden die Gäste aber nicht kampflos abliefern. Nach neun sieglosen Partien wollte man sich schließlich mit einem Erfolgserlebnis in die Winterpause verabschieden. Da kam es natürlich ungelegen, dass Trainer Alexander Lindner nicht nur zehn Spieler fehlten, sondern er selbst erkrankt nur auf der Trainerbank Platz nehmen konnte. Entsprechend defensiv richtete er seine Elf aus.

Trockau leckt nach Führung Blut

Während sich die Gäste erst einmal auf die Verteidigung des eigenen Tores und einzelne Nadelstiche beschränkten, übernahm die Heimelf von Beginn an das Spielgeschehen. Viel Ballbesitz führte aber wie so oft nicht zwingend zum Erfolg. Zwar setzten sich die Hausherren überwiegend in der Hälfte der Gäste fest, aber weiter als bis zum Strafraum kam die Gashi-Elf nicht. Dort wurden die Räume schließlich zu eng. „Wir wollten eigentlich ganz anders spielen“, waren dem Schnabelwaider Coach dabei vor allem die langen Bälle ein Dorn im Auge. Denn die waren leichte Beute der Gäste. Beflügelt von den ersten Abwehrerfolgen wagte die Trockauer Elf auch ab und an den Vorstoß nach vorne. Das zahlte sich aus: Aus einem Freistoß aus halbrechter Position resultierte schließlich die überraschende Führung der Gäste. FSV-Keeper Hannes Grellner schien dabei ebenfalls etwas überrascht zu sein, dass Lukas Gradl die Kugel direkt auf das lange Eck brachte. „Der Führungstreffer gab uns natürlich Aufschwung“, freute sich Alexander Lindner an der Seitenlinie. Auf jenen Nadelstich hatte der Trockauer Coach gesetzt. Dann das Tor verleihte den ersatzgeschwächten Gästen weiteres Selbstvertrauen. „Wir haben nach der Führung Blut geleckt“, gab SGT-Kapitän Nico Thiem zu. Warum nicht in Schnabelwaid punkten? Da hatten die Gastgeber natürlich etwas dagegen. So konnte man die Antwort von Christian Schreiner-Schelhorn verstehen. Der zielte vor den Augen seiner ehemaligen Eintracht-Mitspieler aus 16 Metern genau ins Tordreieck. „Es ist nicht schlecht, wenn man gute Freistoßschützen in den eigenen Reihen hat. Wir haben davon gleich mehrere“, heiterte der Ausgleich die Stimmung von Perparim Gashi wieder etwas auf. Nachdem seine Elf aber erst kurz vor der Halbzeit zu Torchancen aus dem Spiel heraus kam, war er dennoch nicht zufrieden mit dem ersten Durchgang. Auch weil seine Elf mit einem Rückstand in die Kabine ging. Markus Eckert staubte bei seiner Startelfpremiere nach einem Freistoß zur erneuten Führung der Gäste ab.

Umstellungen zahlen sich aus

In der Halbzeitpause reagierte Perparim Gashi umgehend und brachte mit Philipp Wölfel auch einen Schlussmann. Dazu kam mit Astrit Maxhuni eine zweite Spitze ins Spiel, die vorne die Bälle festmachen und mit körperlicher Präsenz auch für mehr Durchschlagskraft sorgen sollte. Der Plan sollte aufgehen. Philipp Wölfel hielt den Kasten fortan sauber und vorne knipste der eingewechselte Joker nach zehn Minuten. Zuvor war Teamkollege Philipp Lämmert bei einem Schuss an dem Pfosten dem Ausgleich nahe. „Wir müssen das 3:1 machen. Das war aber schon in den letzten Wochen so, dass wir jenen Moment verpassen“, haderte indes Gästetrainer Alexander Lindner. So war die Partie wieder offen und vorallem weiter hitzig und umkämpft. Das Blatt wendete sich nun aber zugunsten der Gastgeber, was wiederum an einem Standard lag. Philipp Lämmert nahm dieses Mal nach einer Stunde Maß. Auch der Freistoß des Ex-Neudrossenfelders passte genau. In der Folgezeit hätte Enis Gashi bereits für die Vorentscheidung sorgen können, sein Lupfer landete aber nur auf der Querlatte. Nun boten sich den Hausherren auch die lange ersehnten Freiräume. Der Trockauer Beton bekam so erste Risse. Als Gästekeeper Johannes Adelhardt schließlich Christian Schreiner-Schelhorn im Strafraum legte, fiel zehn Minuten vor dem Schlusspfiff die Vorentscheidung. Enis Gashi erwies sich aus elf Metern einmal mehr als nervenstark.

Trockau überzeugt trotz vieler Ausfälle

„Letztendlich kann ich vor der Mannschaft nur den Hut ziehen, wie sie gekämpft hat Über die gesamte Spieldauer haben wir gut verteidigt und aus dem Spiel nur wenig zugelassen“, fand Gästetrainer Alexander Lindner nach der Partie trotz der Niederlage nur lobende Worte für seine Elf. Für die ersatzgeschwächte Gästeelf war in Schnabelwaid ein Punkt drin. Vor allem der kämpferische Einsatz und taktische Disziplin imponierte hierbei. Denn viele Chancen ließen die Gäste aus dem Spiel heraus nicht zu. Gegen die guten Schnabelwaider Standardschützen war letztendlich aber kein Kraut gewachsen. „Für uns war heute sicherlich ein Punkt drin“, war SGT-Kapitän Nico Thiem überzeugt, auch wenn Schnabelwaid die Nuss am Ende doch noch knacken konnte. Die Gashi-Elf traf dabei aber auf weitaus mehr Gegenwehr als es die Aufstellung vor Spielbeginn hätte vermuten lassen. Nun wartet der Tabellenzweite gespannt ab, was die Bayreuther Eintracht am Sonntag in Altenplos abliefert.

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